http://www.archmatic.com/glossar/z_netaddiction.htm Macht das Internet süchtig? Wenn Sie sich einen typischen Internetuser vorstellen sollen, kommt ihnen vielleicht
das Bild eines pickligen Informatikers in den Sinn, der seine einsamen Nächte im Internet
verbringt, mit virtuellen "Freunden" emailt und der seinen Rechner höchstens
dann verläßt, wenn tatsächlich einmal etwas wichtiges - zu seinem großen Schrecken -
nicht online zu erledigen ist. |
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| der Begriff
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Der Begriff "Internet-Sucht" (internet addiction)
soll vom New Yorker Psychiater Ivan Goldberg - selbst begeisterter Netzuser - eingeführt
worden sein, der dies zuerst angeblich nur als einen Witz gemeint hat. Doch dieser
"Witz" entwickelte sich zum Selbstläufer und seitdem die New York Times im
Februar 1995 in einem Artikel über die Gefahr der Internetsucht aufklärte [1],
mehren sich die Untersuchungen zu diesem Thema. Auch wenn es bisher noch keine verbindliche Symptomatik der Internet-Sucht gibt, finden sich im Netz schon Vorschläge [2]
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| soziale Vereinsamung
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In Deutschland haben sich besonders die Psychologen Nicola
Döring von der TU Berlin und Bernad Batinic von der Uni Gießen sich des Themas
Internetsucht und der soziale Vereinsamung von Internet-Usern angenommen. Nicola Döring
untersuchte, inwieweit deutsche Internetuser tatsächlich einsamer sind oder weniger
"reale" soziale Kontakte haben als Nicht-Internet-User [3] (siehe
auch "Das Internet ist besser als sein Ruf", PH, Februar 97). Zumindest nach den
Aussagen der Nutzer selber besteht kein Unterschied im Vergleich zu einer Kontrollgruppe
bezüglich Einsamkeitsgefühlen, Anzahl von Freunden und Bekannten und der Häufigkeit
einer festen Partnerschaft. Es zeigte sich sogar ein positiver Zusammenhang zwischen der
Anzahl realer und virtueller Bekanntschaften. Insgesamt wurde in dieser Studie kein Beleg
dafür gefunden, daß das Internet ein Tummelplatz vereinsamter Menschen ist oder gar die
User in die soziale Isolation treibt. |
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| ein Massen- Phänomen
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In der Untersuchung von Bernard Batinic [4]
Aber der Anteil der Usern, die beim Surfen im Internet ihre täglichen Sorgen vergessen
können oder bei denen sich nach ein oder zwei Tagen offline "eine Spannung aufgebaut
hat, die sie veranlaßt wieder zu surfen" ist dagegen recht gering. Ob dies reicht,
von einem "Massenphänomen" Internet-Sucht zu sprechen oder gar als Anlaß
genommen werden sollte, neue Therapieangebote zu entwickeln, sei dahingestellt. Dann wäre
es aber wohl auch an der Zeit gezielt, gegen andere Massensüchte wie die Fernseh-,
Telefon-, Lese- oder Sportsucht anzugehen! |
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| Und es gibt sich doch ...
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Auch wenn also - nach unserer Meinung - keine Hinweise auf
ein allgemeines Problem der Internetsucht vorliegen, wird immer wieder von Einzelfällen
berichtet, in denen Personen tatsächlich nur noch für das Internet leben oder sich sogar
umgebracht haben, nachdem ihnen wegen unbezahlter Telefonrechnungen der Zugang zum
Internet gesperrt wurde. Solche User brauchen natürlich psychologische Hilfe und die
Bezeichnung "Sucht" ist hier durchaus angebracht. Gehören Sie oder ein Bekannter von Ihnen nun zu dieser gefährdeten Gruppe? Gerade Neueinsteiger zeigen oft in der ersten Zeit Symptome einer "Internet-Sucht". Da wird nächtelang durch das WWW gesurft, entferntesten Bekannten ein Email geschrieben und jede neu aufgeschnappte WWW- Adresse sofort aufgesucht. Aber in den allermeisten Fällen erlischt diese Faszination schon nach einigen Wochen und das Internet wird zunehmend sinnvoller genutzt. |
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Die Stimmung im INTERNET
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Interessant ist das Meinungsbild unter der Usern selber.
Bisher finden sich noch keine Selbsthilfegruppe von "Internet-Süchtigen" oder
ernstgemeinten Beratunsgangeboten im Internet. Auch die Suchtberatungsstellen im Netz
übergehen dieses Thema (noch) völlig. Die Mehrzahl der eingefleischten Netzuser
kommentiert die öffentliche Diskussion über die Internet-Sucht in der ihr eigenen
ironischen Weise. So werden (nicht ganz so ernst gemeinte) Online-Therapieangeboten [5]
oder Berichte von "Modems Anonymous"- Mitgliedern [6] als "abschreckende Warnung" für
Neueinsteiger ins Netz gelegt. Es herrscht die Überzeugung vor, daß auch diese
Horrorvision über das Internet bald wieder vergessen sein wird. Wobei aber gerade wir
Psychologen die Einzelfälle ernstnehmen sollen, bei denen tatsächlich eine
Internet-Sucht vorliegt. Zusammenfassend kann man wohl Bernad Batinic zustimmen, der dies
so beschreibt: "Ernst und Spaß liegen mal wieder nah beieinander."
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